Neue Richter

November 11th, 2010 § 0 comments § permalink

Großes Stühlerücken im Karlsruher Schlossbezirk. Drei Richter gehen in Ruhestand. Die drei Neuen -  Ein Landesinnenminister, eine Bundesgerichtshof-Richterin und eine feministische Rechtsprofessorin – stelle ich heute in der Financial Times Deutschland hier und hier vor. Noch ist das Revirement nicht abgeschlossen. Zwei weitere Richterstühle werden im neuen Jahr besetzt.

Mach’s Dir selbst

August 1st, 2010 § 0 comments § permalink

Ach, Karlsruhe

Februar 18th, 2010 § 0 comments § permalink

Irgendwie typisch für die ehemalige Residenzstadt, die so anhaltend unter ihrem Bedeutungsverlust leidet. Es gibt hier zwar noch ein Badisches Staatstheater und eine Badische Landesbibliothek, aber zum Leidwesen der Karlsruher seit über 60 Jahren kein Land Baden mehr, dessen Zentrum die Stadt sein könnte. Macht und Wirtschaftskraft sitzen heute in der ungeliebten Landeshauptstadt Stuttgart.
Die jüngste Demütigung für die Stadt, in der ich seit sieben Jahren und inzwischen gerne wohne, kommt vom digitalen Weltkonzern Google. Für seinen Onlinedienst Streetview lichten derzeit Kamerawagen unter allgemeiner öffentlicher Empörung Staßenzüge in ganz Deutschland ab.
Ganz Deutschland?
Nein, Karlsruhe soll bis auf weiteres nicht abfotografiert werden, meldet heute die örtliche Sonntagszeitung. Aber nicht, weil man vor dem Sitz der höchsten deutschen Gerichte besonderen Respekt hätte, oder weil hier mit besonders erbitterten Bürgerprotesten zu rechnen wäre. Nein, erklärt Google, bis zum Jahresende würden die 20 größten Deutschen Städte digital erfasst. Karlsruhe kommt in dieser Liste aber erst auf Platz 21.

Nicht alles ist Gold

November 9th, 2009 § 0 comments § permalink

Diese Woche ist in Impulse  meine Reportage “Trügerischer Glanz” über die Schmuck-Industrie in Pforzheim erschienen. Es geht um die Krise eines traditionellen Industriezweigs Abhängigkeit einer ganzen Branche von einer Bank, der neungrößten Sparkasse der Republik. Auch die Lokalpresse berichtet.

Familienunternehmen

September 8th, 2009 § 0 comments § permalink

Dass eigentümergeführte  Unternehmen von Haus aus gesünder seien und dort ein anderer, ein menschlicherer Geist herrsche als in den Konzernzentralen ist ein gerade in der Wirtschaftskrise gern kolportiertes Vorurteil. Vor zwei Jahren bekam ich das Angebot Philip-Daniel Merckle für ein Merianheft über Ulm zu interviewen. Den Sohn also von Adolf Merckle dem großen Unternehmer.

Er wollte sich als dynamischer Nachfolger seines Bruder präsentieren. Doch der junge präsentierte sich seltsam gehemmt, hatte Schwierigkeiten seinem Gesprächspartner ins Gesicht zu sehen. Hatte so jemand die Chance einen großen Koenzern der gerade von Ermittlungen wegen Korruption gebeutelt wurde, zu führen? Das Porträt habe ich passend für ein Reisemagazin, freundlich intoniert, später aber für die FTD noch ein paar kritischere Geschichten Geschrieben. Dann brach das Imperium mit Adolf Merckles Selbstmord zusammen. Zusammen mit den Kollegen Heimo Fischer und Lukas Heiny haben wir jetzt für Impulse die Geschichte dieses Familienunternehmens nachgezeichnet.  >>>

Dubai am Rhein

Mai 10th, 2009 § 0 comments § permalink

Auf dem Gelände des Design-Möbel-Firma Vitra in Weil am Rhein präsentiert Michael Schindhelm seine Vision des künftigen Kulturlebens in Dubai. Modelle eines riesigen Opernhaus entworfen von Zaha Hadid. Ein Mehrzweckpavilllion am Creek, nach Plänen von Rem Kolhaas. Daneben hängen Fotos vom Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf Stoff gedruckt wie an Handtuchhaltern. Kulturvolk, von der Art-Basel herübergeshuttlet, nippt am Weißwein. Frauen in weißen Stiefeln und Baskenmütze. Männer die mühelos beim Bertold Brecht Look-A-Like-Wettbewerb antreten könnten oder bunt karierte Jacketts tragen.

Schindhelm zuletzt Chef der Opernstiftung in Berlin jetzt Kulturbotschafter des Wüstenemirats, steht im dezenten Sommeranzug dazwischen. Er ist seit 15 Monaten am Golf und macht einen leicht ernüchterten Eindruck. Zwar wurde, da wo es bisher nur um Business ging, gerade ein Kulturministerium aus dem sandigen Boden gestampft. Aber, sagt Schindhelm, man habe eben wenig direkten Einfluss in einer Boom-City, in der wenige Köpfe im Moment so vieles Entscheiden.

Die Vernissage während der Art Basel habe auch eine wichtige Signalwirkung nach Innen, sagt Schindhelm. Die emiratischen Herrscher sollen sehen, wie Kultur in Dubai von der europäischen Szene wahrgenommen werden. Wird sie denn an diesem Abend wahrgenommen? Wein und Catering waren vom Feinsten. Das Kulturvolk steigt spät in der Nacht befriedigt in die Shuttlebusse.

Preisverleihung

Januar 15th, 2009 § 0 comments § permalink

Mein Text für die Financial Times Deutschland “Reine Erfahrungssache” ist mit dem Medienpreis Mittelstand ausgezeichnet worden. Preisverleihung in Berlin Adlershof. Die Veranstaltung selbst wirkt leicht improvisiert und findet vor dem großen Jubiläumsempfang zum hundertsten Jubiläum des Geländes statt, das heute ein Technologiezentrum ist. Früher sind hier Luftschiffe gestartet danach haben NVA-Soldaten exerziert, heute residieren in Deutschlands größtem Gründerzentrum über 700 Firmen. Das alles kann man erfahren, wenn man es schafft, dem Moderator Jörg Thadeusz zu folgen, der Zeitzeugen interviewt und sich gegen das Partygeplauder im Saal einen Wolf moderiert.

Oder man hat interessante Tischgenossen, die erzählen, dass das DDR-Fernsehen hier vor der Wende seinen Sitz hatte. Übrig davon ist nur noch der Fundus.”Mir gehört der Laden”, sagt eine junge Frau, die an unserem Tisch sitzt. Zusammen mit ihrer Mutter hat sie den DFF-Fundus nach der Wende übernommen und zu einem florierenden Unternehmen gemacht. Filme wie Goodbye Lenin oder kürzlich Tom Criuses Stauffenberg-Drama Walküre haben ihre Requisitenvon Mutter und Tochter Schultes.
Wir unternehmen eine nächtliche Besichtigung, probieren Rokkoko-Kostüme, blättern in alten DDR-Zeitungen und posieren mit Musketen. “Hier gibt es noch einige spannende Geschichten für Sie”, hatte der Pressesprecher der Adlershof-Betreibergesellschaft beim Empfang zur Begrüßung gesagt. Stimmt.

Müsli und Rock

Dezember 22nd, 2008 § 0 comments § permalink

“…Leckerlecker Seitenbacher…” dröhnt es aus dem Radio. Nicht nur Werbeleute bringen die rührend-diletantischen Werbespots des Odenwälder Muslimachers Willi Pfannenschwarz zur Verzweiflung. Eine Begegnung mit dem Rock ‘n’ Roller der Frühstückscerialien, bei der mich am Ende der Verdacht beschlichen hat, er macht die ganzen Flocken nur, um seine Spots produzieren zu können. >>>

Beim Döner

November 13th, 2008 § 0 comments § permalink

Die Dönerbude meines Vertrauens liegt direkt gegenüber der schmucken Festung der Bundesanwaltschaft. Ich habe keine Ahnung, ob sie Gammelfleisch verarbeiten. Ich weiß auch nicht, wie es um die hygienischen Verhältnisse in der Küche bestellt ist. Wichtig ist, Yufka und Döner schmecken gut.
Noch wichtiger in diesen Zeiten ist: Das Mahl ist auch sicherheitstechnisch völlig unbedenklich. Denn erst vor ein paar Tagen stand ich mit einem der Bundesanwälte in der Schlange. Er orderte Döner in größeren Mengen. Ich bin beruhigt: Dort, wo die Generalbundesanwaltschaft kauft, unterstützt man weder PKK noch Al Qaida. Einmal Yufka mit alles, bitte.

Türkje, Türkje!

Juni 21st, 2008 § 0 comments § permalink

Die Fahnen bleiben erst mal eingerollt. Zur Halbzeit ist es fast totenstill auf dem Taksim-Platz. Viele enttäuschte Fans ziehen auf der Istiklal Caddesi, die Einkaufsmeile nach Hause. Noch immer null zu null, die türkische Nationalmannschaft spielt im EM-Viertelfinale lustlos gegen die überlegenen Kroaten. Nach dem ersten Tor der Kroaten glaubt auch in der Bierhalle, in der wir einen Platz finden, kaum mehr einer an den Sieg. Einer sagt: Dabei würden wir so gerne nächsten Mittwoch gegen Euch gewinnen“. Dann fällt in der letzten Minute der Ausgleich. Männer und Frauen stehen auf den Bänken. Sie rufen: „Türkije, Türkije“. Meinem Freund fällt ein, dass das der polyglotte Heribert Fassbender vor Jahren für die Fernsehzuschauer souverän mit „Türkei, Türkei“ übersetzt hat.

Wieder haben die Türken ein Spiel in der letzten Minute gedreht, jetzt trauen ihnen die Fans alles zu. Das Elfmeterschießen verlieren die gebrochenen Kroaten fast widerstandslos. Auf der Istiklal Caddesie herrscht jetzt eine Stimmung wie beim Kölner Karneval. Überall Fahnen mit dem roten Halbmond. Auf dem Taksim-Platz gröhlen die übersteuerten Lautsprecher Fangesänge und die Menge tanzt. Dieser Fußballabend spiegelt die ganze Achterbahnfahrt, den die türkische Volksseele regelmäßig erfährt.