Türkje, Türkje!

Juni 21st, 2008 § 0 comments § permalink

Die Fahnen bleiben erst mal eingerollt. Zur Halbzeit ist es fast totenstill auf dem Taksim-Platz. Viele enttäuschte Fans ziehen auf der Istiklal Caddesi, die Einkaufsmeile nach Hause. Noch immer null zu null, die türkische Nationalmannschaft spielt im EM-Viertelfinale lustlos gegen die überlegenen Kroaten. Nach dem ersten Tor der Kroaten glaubt auch in der Bierhalle, in der wir einen Platz finden, kaum mehr einer an den Sieg. Einer sagt: Dabei würden wir so gerne nächsten Mittwoch gegen Euch gewinnen“. Dann fällt in der letzten Minute der Ausgleich. Männer und Frauen stehen auf den Bänken. Sie rufen: „Türkije, Türkije“. Meinem Freund fällt ein, dass das der polyglotte Heribert Fassbender vor Jahren für die Fernsehzuschauer souverän mit „Türkei, Türkei“ übersetzt hat.

Wieder haben die Türken ein Spiel in der letzten Minute gedreht, jetzt trauen ihnen die Fans alles zu. Das Elfmeterschießen verlieren die gebrochenen Kroaten fast widerstandslos. Auf der Istiklal Caddesie herrscht jetzt eine Stimmung wie beim Kölner Karneval. Überall Fahnen mit dem roten Halbmond. Auf dem Taksim-Platz gröhlen die übersteuerten Lautsprecher Fangesänge und die Menge tanzt. Dieser Fußballabend spiegelt die ganze Achterbahnfahrt, den die türkische Volksseele regelmäßig erfährt.

Weltvermesser

Juni 13th, 2008 § 0 comments § permalink

Es waren eher linke Abenteurer, die einst den touristischen Teil der Welt vermessen haben. Sie Gründeten Lonely Planet und den modernen Baedecker. Doch die große Zeit der Reiseführer ist vorbei. Reiseinfos gibt es kostenlos im Internet, gedruckte Reiseführer, erkunden stattdessen phantastische Länder. Auch Merian kommt in der Geschichte für die Welt vor, einer meiner Auftraggeber.  >>>

Zum Lunch bei Mister Nasser

September 30th, 2005 § 0 comments § permalink

Luxusleben hinter hohen Mauern. Familienlunch, Shopping und süßes Nichtstun – Ein Blick in den Alltag der Männer von Abu Dhabi, die am liebsten unter sich bleiben.
Mister Nasser lädt ein, wir sollten ihn nicht warten lassen. Kutti, sein indischer Fahrer, gibt jedenfalls Gas. Er steuert die grüne Limousine mit quietschenden Reifen über die staubigen Straßen von Abu Dhabi. Es ist Freitag, arabisches Wochenende, der Verkehr hält sich zum Glück in Grenzen.
Am Fenster fliegen weißgekalkte Villen-Fassaden vorbei und Kutti erzählt. Immer freitags, sagt er, nach dem Moschee-Besuch, lädt Mr. Nasser die Familie zum Lunch. Die Brüder, die Cousins, all die Neffen und Enkel. “Mr. Nasser sagt, das stärkt die Familienbande”, erklärt Kutti. Mehr als 40 Personen werden heute erwartet. Die Frauen nicht mitgerechnet, sie speisen extra. >>>