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... im Sonntagsblatt

Irgendwie typisch für Karlsruhe, die ehemalige Residenzstadt, die so anhaltend unter ihrem Bedeutungsverlust leidet. Es gibt hier zwar noch ein Badisches Staatstheater und eine Badische Landesbibliothek, aber zum Leidwesen der Karlsruher seit über 60 Jahren kein Land Baden mehr, dessen Zentrum die Stadt sein könnte. Macht und Wirtschaftskraft sitzen heute in der ungeliebten Landeshauptstadt Stuttgart.

Die jüngste Demütigung für die Stadt, in der ich seit sieben Jahren und inzwischen gerne wohne, kommt vom digitalen Weltkonzern Google. Für seinen Onlinedienst Streetview lichten derzeit Kamerawagen unter allgemeiner öffentlicher Empörung Staßenzüge in ganz Deutschland ab.

Ganz Deutschland? 

Nein, Karlsruhe soll bis auf weiteres nicht abfotografiert werden, meldet heute die örtliche Sonntagszeitung. Aber nicht, weil man vor dem Sitz der höchsten deutschen Gerichte besonderen Respekt hätte, oder weil hier mit besonders erbitterten Bürgerprotesten zu rechnen wäre. Nein, erklärt Google, bis zum Jahresende würden die 20 größten Deutschen Städte digital erfasst. Karlsruhe kommt in dieser Liste aber erst auf Platz 21.


 
... vor der Kamera

Hier ein kleiner Werbespot für den Freischreiber-Kongress am 19. September 2010 unter dem Motto: "Mach's Dir selbst."

 

 

 

 

 

 

 
... in Enorm

Mein früherer Büronachbar bei Max, Thomas Friemel, wagt etwas. Er hat in diesem Monat Enorm ein Magazin für nachhaltige Wirtschaft mit viel Schwung auf den Markt geworfen. In diesen Zeiten? Ein Printmagazin? Mit einem so ambitionierten Thema? Ja, mutig eben. ich hab mich sehr gefreut, dass er mich um eine Geschichte für das Heft gefragt hat. Es geht darin um eine Münchener Unternehmerin, die Westafrika elektrifizieren will. Ich wünsche Thomas und seinem Team viel Erfolg. Nicht nur weil ich dabei bin, sondern vor allem weil es endlich mal wieder ein Magazinprojekt mit Haltung und Anspruch ist.

 
... unter Zornigen

Der Zorn hat Konjunktur. Der Popstar unter den Philosophen Peter Sloterdijk hat schon vor Längerem über "Zorn und Zeit" geschrieben, mein toller Kollege und großer Vorsitzender Kai Schächtele regt sich in seinem Blog ebenfalls schrecklich gerne auf. Zorn ist ein mächtiges Gefühl. Selbst bei Unternehmern kann der Antrieb für den Erfolg der heilige Zorn sein. Zum Beispiel beim Wasserkraft-Unternehmer Klaus Volk. Er kämpft seit 30 Jahren gegen Atomkraft. legt sich mit Stadt Land und Behörden an und nötigt Banken ihm einen Kredit zu geben. Mit dieser Strategie hat er es zum erfolgreichen Chef eines grünen Unternehmens gebracht. - Unternehmer ist er allerdings nur widerwillig geworden. Mehr über "Volks Zorn" heute habe ich im Rahmen der Serie "Green Minds" bei der FTD geschrieben.

 
... im Frauenmuseum
Frauen im Boxring und Männer beim klassischen Ballett: Meine Studienfreundin Anne Schreyer hat sie in ihrer so eigenen Art fotografiert und diese noch immer ungewöhnlichen Geschlechterrollen in ihren Bildern in eine "Beautiful Balance" (Ausstellungstitel) gebracht. Jetzt sind ihre Fotografien bis Mitte Juli ausgerechnet im Frauenmuseum Wiesbaden zu sehen.
Die Vernissage lädt auch ein, meine in den späten 80er in Freiburg geprägten Vorurteile über Fraueneinrichtungen zu revidieren. Das Museum ist eine frische, undokmatische Einrichtung und wird von einer jungen Kuratorin geführt. Und zu meiner Erleichterung gibt es auch eine Herrentoilette.
Und wie sind Annes Fotos? Nun ich bin befangen. Aber jetzt mal ganz unabhängig betrachtet: Toll!
 
... als Preisträger

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Mein Text für die Financial Times Deutschland "Reine Erfahrungssache" ist mit dem Medienpreis Mittelstand ausgezeichnet worden. Preisverleihung in Berlin Adlershof. Die Veranstaltung selbst wirkt leicht improvisiert und findet vor dem großen Jubiläumsempfang zum hundertsten Jubiläum des Geländes statt, das heute ein Technologiezentrum ist. Früher sind hier Luftschiffe gestartet danach haben NVA-Soldaten exerziert, heute residieren in Deutschlands größtem Gründerzentrum über 700 Firmen. Das alles kann man erfahren, wenn man es schafft, dem Moderator Jörg Thadeusz zu folgen, der Zeitzeugen interviewt und sich gegen das Partygeplauder im Saal einen Wolf moderiert.

Oder man hat interessante Tischgenossen, die erzählen, dass das DDR-Fernsehen hier vor der Wende seinen Sitz hatte. Übrig davon ist nur noch der Fundus."Mir gehört der Laden", sagt eine junge Frau, die an unserem Tisch sitzt. Zusammen mit ihrer Mutter hat sie den DFF-Fundus nach der Wende übernommen und zu einem florierenden Unternehmen gemacht. Filme wie Goodbye Lenin oder kürzlich Tom Criuses Stauffenberg-Drama Walküre haben ihre Requisitenvon Mutter und Tochter Schultes.
Wir unternehmen eine nächtliche Besichtigung, probieren Rokkoko-Kostüme, blättern in alten DDR-Zeitungen und posieren mit Musketen. "Hier gibt es noch einige spannende Geschichten für Sie", hatte der Pressesprecher der Adlershof-Betreibergesellschaft beim Empfang zur Begrüßung gesagt. Stimmt.
 
... unter Freien

Am Wochenende haben in Berlin 140 freie Journalisten das getan, was sonst ihrer Art eher wiederspricht: Sie haben sich zusammengeschlossen., zum Verband Freischreiber, dem ersten deutschen Berufsverband für freie Journalisten.

Eine Gewerkschaft? Nein. Ein Netzwerk? Viel mehr! Eine Lobby, ja natürlich!

Den Reportern, Autoren, Filmemachern und Hörfunkern geht es aber um mehr: Sie wollen den Ausverkauf der 4. Gewalt aufhalten und unabhängigen Journalismus stärken, dem in letzter Zeit durch die Sparrunden von Medien-Managern und unsittliche Avancen von PR-Leuten arg zusgesetzt wurde. Wir sind spät dran. Der große Umbruch ist schon in vollem Gange. Ein Kollege sagt: Wer jetzt keinen Verband hat, gründet keinen mehr. Wir haben den Anfang gemacht. (Foto: kontakt(at)gabriele-baertels.de)
 
... in der Krise IV
Martin Herrenknecht hat ein bodenständiges Unternehmen. Er baut riesige Bohrmschinen mit denen in aller Welt Tunnel gebaut werden. Ein Milliardengeschäft, das der Selfmademann aus einem Einmannunternehmen aufgebaut hat. Doch was derzeit in der Finanzwelt passiert, dem steht auch Herrenknecht nur mit Kopfschütteln gegenüber. Zum Beispiel der US-Immobilien-Markt, mit dem alles losging: Vor einigen Jahren habe er für eine Million in der Nähe von Dallas ein Haus gekauft, erzählt Herrenknecht. Dann verkaufte er es wieder. Jetzt wurde es ihm wieder angeboten: Für 700.000 Euro. Herrenknecht sagt: "Das gleiche Haus, da sind sogar noch meine Möbel drinnen, ich brauch nur den Schlüssel."

Mehr über Martin Herrenknecht steht heute in meinem Porträt über den Unternehmer für die Financial Times Deutschland Deutschland.
 
... in der Krise III
Abends ruft meine Mutter an. Ob ich gelesen hätte, dass die Kaupting-Bank ihre Filialen geschlossen habe? Keiner kommt mehr an seine Konten. Nein sage ich, habe ich nicht. Ich schaue gerade Stromberg auf DVD. Und ihr Geld? Glück gehabt. Gestern hat sie sich gegen den Rat des befreundeten Volkswirts entschieden, ihr Geld doch heim zu holen. Seit heute ist es auf Ihrem Konto.
 
... in der Krise II
Ich rufe meine Mutter an. Heute morgen steht überall, dass Island vor dem Staatsbankrott steht. Vielleicht sollte sie doch ihr Erspartes aufs heimische Girokonto holen. Sie erzählt, dass ihr ein befreundeter Volkswirt gerade gesagt habe, dass ein Staat nie Pleite gehe und sie auch dann schon an ihr Geld komme. Der Mann muss es ja wissen, denke ich. Immerhin hilft sie Island mit ihren Ersparnissen liquide zu bleiben.
Ein Freund aus Berlin ruft am Abend an. Er ist Jurist bei einer Immobilienverwaltung, die vor allem ausländische Investoren arbeitet. Seine Kunden würden allmählich nervös, weil sie offenbar viel Geld verlieren und auch die Berliner Immobilien nicht das einbringen, was sie sich erwartet haben. Er sagt: "Wenn die ihr Geld abziehen, kann ich mir einen neuen Job suchen."
 
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